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45 Jahre Freie Waldorfschule Graz

45 Jahre Freie Waldorfschule Graz-Messendorf

Die Freie Waldorfschule Graz Messendorf wird im Schuljahr 2025/26 45 Jahre alt!
Im Jahr 1980 erschien in der Südost Zeitung Steiermark ein erster öffentlicher Beitrag über die damals noch
junge Freie Waldorfschule Graz, verfasst von Michael Kunze. Dieser Artikel markierte nicht nur den Beginn einer
intensiveren öffentlichen Wahrnehmung, sondern dokumentierte auch den frühen Pioniergeist und die Vision
einer Schule, die den ganzen Menschen im Blick hat. Heute – 45 Jahre nach der Gründung – feiern wir nicht nur
ein Jubiläum, sondern auch eine bewegte Geschichte, die in vielen Etappen durch das Engagement von
Lehrer:innen, Eltern und Schüler:innen geprägt wurde. Im kommenden Jahr wollen wir im Durchblick mit einer
kleinen historischen Serie an diese Anfänge erinnern – an die ersten Schritte, die Herausforderungen und die
Menschen, die unsere Schule mit aufgebaut haben.

Freie Waldorfschule Graz – mit Zeit und Raum; Eine Präsentation

 

Das Gründungsjahr der Waldorfschule Graz aus der Sicht des ersten Lehrers

Ich hatte während meiner Ausbildungzeit zum Waldorflehrer in der Schweiz bereits ein Praktikum an
der Wiener Waldorfschule Schule mit positiven Erfahrungen gemacht und las nun die Stellenanzeigen:
Klassenlehrer zur Gründung der Waldorfschule Graz gesucht. Das reizte mich und ich sagte mir, ja da
kann ich frisch beginnen und echte Pionierarbeit leisten. Zuvor war ich ein Jahr in Belgien als Erzieher
tätig und ein Jahr in Süddeutschland als Betreuer einer Sonderklasse. Der Grazer Schulverein lud mich
zur Vorstellung ein und plante mit zwei Klassen die Schule zu eröffnen. Wir waren uns gegenseitig
sympathisch und ich sollte die 1. Klasse übernehmen und sie waren überzeugt, daß sich noch ein
zweiter eventuell auch ein erfahrener Lehrer finden wird. Kurz vor Schulbeginn offenbarten sie mir,
daß kein zweiter gefunden wurde und ich sollte mit 8 Schülern die Schule beginnen. Da wurde mir
doch etwas mulmig zumute, denn ich hatte nur ein Jahr Schulerfahrung und dann gleich als
Gründungslehrer anfangen? Ich beriet mich mit meinen ehemaligen Dozenten aus dem Lehrerseminar
und sie ermutigten mich unter bestimmten Bedingungen diesen Schritt zu wagen.
Die Waldorfschule Wien Mauer wird die Patenschaft für Graz übernehmen und ich soll einmal in der
Woche von Graz nach Wien fahren und mich mit meiner Mentorin besprechen, einen Bericht über den
Unterricht geben, mir Impulse für die Schule holen und an Fortbildungen im dortigen Lehrerseminar
teilnehmen. So geschah es und die erfahrene Klassenlehrerin bei der ich damals mein Praktikum
machte, Frau Zimmermann, stand mir zur Seite.
Als ich zur Sommerferienzeit in Graz eintraf, war die Renovierung des ehemaligen Ausflugslokals im
Stiftingtal noch nicht abgeschlossen, es lag noch der Geruch von Nikotin und Alkohol in den Räumen.
Eltern und Vorstand packten in den wenigen Wochen vor der Eröffnung an und am feierlichen ersten
Schultag verliesen die letzten Handwerker kurz zuvor den Klassenraum, der nun für 12 Schüler und
Schülerinnen eingerichtet war. Dort unterrichtete im ersten Jahr zusätzlich meine Frau das Fach
Handarbeit, natürlich ehrenamtlich! Aus Wien sollte einmal in der Woche eine Eurythmistin kommen,
die aber schon nach wenigen malen wegen Überlastung aufgab und eine junge Lehrerin aus einer
naheliegenden Schule übernahm Französisch. Der Hauptunterricht, Musik, Englisch und Spielturnen
waren meine Aufgaben. Der Anfang war vielversprechend und alle Beteiligten wie Eltern, Vorstand,
Schulverein, Mitglieder der anthroposophischen Gesellschaft und Freunde gaben ihr bestes. Ein kleines
Schulorchester entstand und begleitete die Schulfeste zu Weihnachten, Fasching und die Monatsfeiern.
Alles war geprägt von Freude und Solidarität. Das Gebäude verfügte über Kohleöfen und jedes Zimmer
konnte nur einzeln beheizt werden. Im Winter wurde ein Heizdienst organisiert und Stunden vor dem
Schulbeginn übernahm eine Gruppe das Anheizen und ich musste später Kohlen nachschieben.
Das Gehalt für die junge Gründungsfamilie war bescheiden, aber was solls? Oft wurden wurden uns
Naturalien gespendet und vor allem kamen viele Einladungen zum Essen. Am Wochende durften wir
mit in die wunderbare Umgebung von Graz fahren, denn einige der Einladenden besaßen zusätzlich ein
Wochenendhaus auf dem Land.
Meine Mentorin kam einige Male nach Graz, besuchte meinen Unterricht, gab mir Ratschläge und sie
war mit der Entwicklung im Einklang. Eine Schulrätin kam, kontrolierte den Unterricht und es folgte
die Anerkennung als Ersatzschule.
Nach mehr als einem halben Jahr mit wöchentlicher Berichterstattung in Wien deutete sich eine
Änderung an. Die Entfernung von Graz nach Wien beträgt mehr als 200 km und die Fahrzeit mit dem
Auto oft 4 Stunden und mehr, die Rückkehr war weit nach Mitternacht. Was zunächst eine
Notwendigkeit schien wurde zu einer Belastung, die viel Zeit und Kraft kostete.
Es kam ein Tag der alles verändern sollte. Im Frühling war ich wieder in Wien und erlebte Frau
Zimmermann ungewohnt nervös und fahrig, anstelle ihrer sonstigen Souveränität. Ich ahnte nicht, daß
sie in der Nacht sterben sollte. Ein herber Schlag für alle. In Wien sah man sich nicht in der Lage länger
die Patenschaft zu übernehmen. Es folgte der nächste Schlag. In den Osterferien überraschten mich auf
einer einsamen Berghütte die Windpocken, ich konnte zunächst nicht ärztlich versorgt werden, die
Windpocken wurden verschleppt und es folgte eine wochenlange Krankheitsfase mit gravierendem
Vitalitätsverlust und ich stellte mir die Frage ob ich jemals wieder die Kraft erreichen werde unter all
diesen Umständen die Klasse weiter zu führen. In dieser Zeit übernahm eine erfahrene
Grundschullehrerin die Klasse und unterrichtete nach staatlichen Prinzipien ohne Aspekte der
Waldorfschule. Sie hatte eine glückliche Hand und Eltern und Kinder schätzten sie. Doch ihre Zeit der
Freistellung war begrenzt.
Noch nicht ganz genesen kehrte ich nach mehr als 3 Monaten Abwesenheit in die Klasse zurück und
alles war anders. Ein Teil der Eltern und des Schulvereins waren mit mir als Gründungslehrer nicht
mehr solidarisch und forderten, ich sollte die Schule verlassen. Ein Teil der Eltern wollte ihr Kind aus
der Klasse nehmen, wenn ich gehen sollte. Eine zerfahrene Situation. Inzwischen übernahm die
Patenschaft wieder die Wiener Schule und und sie sendeten einen Mediator, der aber nicht von allen
Eltern akzeptiert wurde. Als Konsequenz blieb mir nur der Rückzug. Es folgte durch Herrn Mastalier
und einer weiteren Lehrkraft die Fortführung der Schule.
Heute blicke ich mit Positivität auf das Jahr zurück. Auf die Aufbruchstimmung, die
Gemeinschaftsbildung vieler unterschiedlicher Menschen und auf die Freundschaften die eine gewisse
Zeit gehalten haben. Offenbar wurde aber auch, daß in dieser frühen Phase sehr viel unterschiedliche
Vorstellungen einer Schulgemeinschaft vorhanden waren, die es nicht leicht machten eine Schule zu
etablieren. Doch war es ein Auftakt der zu einer Schule führte die nun seit 45 Jahren besteht.